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Interview mit Markus Erle

Pressemitteilung vom 29.06.2007

Wir haben Markus Erle gebeten, einige Fragen zu seinem Vortrag "Barrierefreie PDF's" zu beantworten. Was man bei der Erstellung von PDF-Dokumenten insbesondere beachten sollte, verrät er in seinem Interview.

Foto von Markus ErleMarkus Erle studierte unter anderem Kommunikationswissenschaften und Philosophie. 2004 hat er Wertewerk gegründet, eine Spezialagentur für barrierefreie Kommunikation. Seitdem ist er als Berater und Projektleiter für barrierefreies Internet und Wertemarketing, Autor und Trainer zu Accessibility-Themen tätig.

Zu seinen Spezialthemen gehören barrierefreies Internet als Teil eines Wertemarketing und barrierefreies PDF. Im Rahmen seiner Beratertätigkeit hat er Schulungen zu barrierefreien PDFs unter anderem für Bayrisches Landesamt für Umwelt und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veranstaltet.

Wie ist der Status-Quo bei barrierefreien PDF-Dokumenten in Auftritten, die der BITV verpflichtet sind?

Leider gibt es hier noch immer viele Internetauftritte, auf denen selbst in diesem Jahr erstellte PDF-Dateien nicht einmal die grundlegenden Anforderungen erfüllen. Das Thema PDF und Barrierefreiheit hinkt mindestens 3 Jahre dem Thema barrierefreies Internet hinterher.
Die Erkenntnis, dass gemäß BITV auch PDF-Dokumente zugänglich gestaltet sein müssen, ist so langsam durchgesickert. Es fehlt hier auch noch an Best Practice-Beispielen, die eine nachhaltige Strategie erkennen lassen, geschweige denn erfolgreich umsetzen.

Stichwort "Tagging": Was bedeutet das eigentlich genau für die Barrierefreiheit?

Für barrierefreie PDF-Dokumente ist ein korrektes Tagging die Grundvoraussetzung. Nur über Tags lassen sich in PDF-Dateien beispielsweise Überschriften, Listen und Formularfelder auszeichnen, so dass Sie von Screenreadern erkannt werden. Auch Alternativtexte lassen sich nur anlegen, wenn Tags vorhanden sind.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei der Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente?

Das größte Herausforderung liegt in einer nachhaltigen Strategie und einem effektiven Workflow.

Beispiel: Office-Anwendungen. Aus Word heraus lassen sich zumindest barrierearme PDF-Dateien beinahe auf Knopfdruck erstellen, wenn in den Quelldokumenten konsequent mit Formatvorlagen gearbeitet wird. Dies fällt sehr vielen Anwendern schwer, die sich bisher erfolgreich gegen ein effektives Arbeiten mit Word gewehrt haben.

Beispiel: PDF-Dateien aus Layout-Programmen. Das effektivste wäre es hier, mit dem Druck-PDF auch zugleich ein korrekt getaggtes PDF zu erzeugen. Da sind diejenigen herausgefordert, die das Layout erstellen.

Wie kann man PDF-Dokumente auf Barrierefreiheit testen?

Das interne Prüftool der Acrobat Professional-Versionen liefert nur einen Ergebnisbericht zur technischen Barrierefreiheit. Und die ist ja zumindest schon mal die Voraussetzung für ein barrierefreies PDF-Dokument. Inhaltliche Aspekte – und damit ein Großteil der Kriterien – lassen sich nur manuell beurteilen.

Als schnelles Urteil empfehlen wir: die "Schnelle Ausgabehilfe-Prüfung" im Adobe Reader (Sind Tags vorhanden oder nicht?), überprüfen, ob Lesezeichen vorhanden sind (möglichst in der Startansicht) und ein Testen der Umfließen-Ansicht (Tastaturkürzel: STRG+4). Dann hat man schon eine erste Ahnung, in welche Richtung das PDF-Dokument geht.

Barrierefreie PDFs
13.50 - 14.35 Uhr

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