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Interview mit Tomas Caspers

Pressemitteilung vom 14.06.2007

Wir haben Tomas Caspers gebeten, ein paar Fragen zu seinem Vortrag "Flash, AJAX und Barrierefreiheit" zu beantworten. Was man beim Einsatz moderner Techniken besonders beachten muss, verrät er schon jetzt in diesem Interview.

Foto von Tomas CaspersTomas Caspers hat eine Haßliebe zu Webbrowsern, die sich bis zu Netscape 0.9b zurückverfolgen lässt. Schon früh erkannte er den Wert standardkonformer Webentwicklung und beschäftigt sich seitdem mit CSS und den Techniken zur Barrierefreiheit.

Caspers gehörte zu den Gründern des Web Standards Project (www.webstandards.org), wo er sich in der Accessibility Task Force darum kümmert, dass moderne Webangebote auch für Menschen mit Behinderung zugänglich werden. Neben der Beratung für Unternehmen und Behörden verbringt Tomas Caspers die verbleibende Zeit mit der Pflege der Website zur Initiative »Einfach für Alle« der Aktion Mensch.

Welche Aussage steht im Mittelpunkt Ihres Vortrags?

Auch wenn die bisherigen Richtlinien zur Barrierefreiheit in weiten Teilen aus Verboten bestehen: Mit modernen Techniken kann man ungleich viel mehr Gutes stiften, als dies gemeinhin von Accessibility-Predigern verkündet wird. Der Vortrag will mit dem innovationsfeindlichen Klima aufräumen, von dem das Thema Barrierefreiheit umgeben ist und zeigen, wie man mit modernen Webtechniken auch Menschen mit Behinderungen an den Neuerungen im Netz teilhaben lässt.

Können Sie uns ein Szenario skizzieren, in dem Barrierefreiheit und Web 2.0 Funktionalitäten zusammenwirken?

Die Beschäftigungssituation behinderter Menschen in Deutschland ist trotz anziehender Konjunktur immer noch mehr als unzureichend. Dabei böten gerade Computerarbeitsplätze hervorragende Möglichkeiten für Menschen mit motorischen oder sensorischen Behinderungen. Hier liegt die Gefahr einer erneuten Digitalen Spaltung in diejenigen, die mitmachen dürfen und diejenigen, die durch unzureichende Berücksichtigung weiter ausgeschlossen werden.

Kann man bedenkenlos Flash, AJAX und Co. einsetzen, wenn man der Barrierefreiheit verpflichtet ist?

Nein. Kann man bedenkenlos HTML, CSS und Co. einsetzen, wenn man der Barrierefreiheit verpflichtet ist? Ebenfalls nein. Oder warum bräuchten wir sonst eine Verordnung, die sich in über 60 Punkten detailliert und ausschließlich mit HTML und CSS befasst? Das Problem liegt nicht bei der eingesetzten Technik, sei es HTML oder Flash, CSS oder JavaScript, sondern am Wort „bedenkenlos“. Moderne Webtechniken bieten mittlerweile ein Maß an potenzieller Barrierefreiheit, das vor einigen Jahren noch undenkbar war. Aber wie bei allen Techniken liegt es daran, bei ihrem Einsatz die richtigen Entscheidungen zu fällen und das Maximum aus den Werkzeugen herauszuholen.

Worin besteht die größte Herausforderung, wenn man moderne barrierefreie Websites erstellt?

Die Herausforderung beginnt bereits bei der Definition und der Eingrenzung des Begriffs Barrierefreiheit. Viele verstehen darunter, dass eine Website auch auf einem 10 Jahre alten Handy funktionieren muss und ignorieren damit das Kernanliegen der Sache. Dieses zwanghafte Suchen nach Hilfsargumenten liegt nach meiner Erfahrung oft daran, dass man sich nicht ausreichend mit dem Thema Behinderung beschäftigt hat oder beschäftigen will. Das Thema Barrierefreiheit als spezifische Usability für Menschen mit Behinderung ist aber für sich genommen schon ein so starkes Thema, dass es keine weiteren Hilfsargumente benötigt.

Flash, AJAX und Barrierefreiheit
14.40 - 15.25 Uhr

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