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Interview mit Tiffany Wyatt

Pressemitteilung vom 04.09.2008

Wir haben mit Tiffany Wyatt ein kurzes Interview geführt.

Foto von Tiffany WyattTiffany Wyatt ist geschäftsführende Gesellschafterin der Hamburger Mediengestaltungsagentur feld.wald.wiese, die sie 2001 mitbegründete. Schwerpunkte der Screendesignerin sind die Konzeption, Gestaltung und Qualitätssicherung von barrierefreien Webauftritten für Auftraggeber vornehmlich aus dem Bereich Umwelt, Soziales und Kultur.

Neben ihrer Tätigkeit bei feld.wald.wiese ist sie Dozentin für barrierefreies Webdesign und arbeitet im Projekt BIK an der laufenden Weiterentwicklung des Testverfahrens »BITV-Test« mit.

Für welche Zwecke sind PDFs sinnvoll?

Der schlechteste aber wahrscheinlich häufigste Grund für die Einbindung von PDFs in Websites ist, dass viele Inhalte sowieso schon als PDFs vorliegen. Da ist die Versuchung groß, einfach schnell einen Link auf das PDF zu setzen und sich so die Erstellung einer HTML-Seite zu ersparen. Eigentlich sollte bei der Wahl des Formats aber natürlich nicht nur die eigene Bequemlichkeit den Ausschlag geben, sondern vor allem die durchaus unterschiedlichen Eigenschaften von PDFs und HTML-Seiten. Vorteile haben PDFs zum Beispiel, wenn es um Layouttreue und Sicherheitsaspekte geht. Für eine Rechnung ist ein PDF-Dokument deshalb sicher besser geeignet als eine HTML-Seite. Dagegen ist etwa für Produktinformationen oder Pressemitteilungen das HTML-Format aus Nutzersicht meist praktischer und leichter zugänglich, hier wäre ein PDF eher als Zusatzangebot zum Abspeichern oder Ausdrucken geeignet.

Welche Werkzeuge sind zur Erstellung und Prüfung von barrierefreien PDFs am besten geeignet?

Perfekt ist derzeit leider noch kein Werkzeug – aber immerhin haben sich die gängigen Anwendungen zur Erstellung von PDFs in den letzten Jahren um einiges verbessert. Wer eher einfach gestaltete, textlastige PDFs erstellen möchte, greift am besten zu Microsoft Word oder Open Office. Für Broschüren und andere stärker gestaltete Dokumente bietet sich Adobe InDesign an. Für alle Anwendungen gilt: je aktueller die Programmversion, desto weniger muss das PDF nach dem Export nachbearbeitet werden. Für die Prüfung und Nachbearbeitung von PDF kommt man leider nicht um die teure und oft umständlich zu bedienende Adobe-Software Acrobat Pro herum.

Wie kann man PDF-Dokumente auf Barrierefreiheit testen?

Wer sich nur einen schnellen ersten Eindruck verschaffen will, kann die in Acrobat Pro eingebaute Funktion „Vollständige Prüfung“ nutzen. Damit kann man auf Knopfdruck einige formale Voraussetzungen für Barrierefreiheit prüfen, zum Beispiel ob das Dokument überhaupt getaggt ist und ob alle Bilder einen Alternativtext tragen. Das alleine reicht aber für die Beurteilung der Zugänglichkeit noch lange nicht aus. Zu einer ordentlichen Prüfung gehören zum Beispiel unbedingt auch die inhaltliche Prüfung der Alternativtexte und der manuelle Check des Tag-Baums in Bezug auf Struktur und Reihenfolge. Eine Anleitung zur Prüfung von PDFs bietet der BITV-Test des BIK-Projekts im Prüfschritt 11.1.1. Man kann aber auch noch viele weitere Aspekte in die Prüfung einbeziehen. Letztlich sind die meisten Anforderungen an barrierefreie HTML-Seiten auch auf PDFs anwendbar.

Gibt es Möglichkeiten der Automatisierung bzw. wie sieht die Zukunft in diesem Bereich aus?

Es gibt durchaus Möglichkeiten der Automatisierung. Das funktioniert allerdings nur, wenn schon das Ausgangsdokument gut mit Überschriften, Absätzen, Listen etc. strukturiert ist. Dann kann zum Beispiel das Entwicklungstool „PDFlib“ einsetzen, um etwa aus barrierefreien HTML-Seiten automatisch gut zugängliche PDFs erzeugen. Allerdings ist das, was sich viele Anwender verständlicherweise wünschen, nämlich die vollautomatische Erstellung eines barrierefreien PDFs aus einem beliebigen, nicht barrierefreien Ausgangsdokument, leider grundsätzlich nicht möglich. Denn keine Software kann die Struktur eines Dokuments allein aufgrund des Layouts und der Typographie zuverlässig ableiten. Auf die Prüfung und Nachbearbeitung durch geschulte Mitarbeiter wird man also auch in Zukunft oft nicht herumkommen. Generell ist und bleibt die beste Voraussetzung für ein barrierefreies PDF die sinnvolle Strukturierung von Anfang an, egal ob das Ausgangsdokument eine Word-, InDesign- oder HTML-Datei ist.

Barrierefreie PDFs - mit und ohne Adobe Acrobat
13.30 - 15.00 Uhr

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